Foob — eine Fußballplattform, neu gebaut auf Research in den Niederlanden und den USA
Schon mal erlebt, dass das Design mitten im Projekt geändert werden muss? Ist das ein Scheitern oder eine Chance, es besser zu machen? Dies ist die Geschichte, wie wir eine Fußballplattform neu erfanden — und wie Research uns durch die Änderungen trug und schnelles Anpassen erlaubte. Von der Segmentsuche bis zum UX-Feinschliff: am Ende +22% Conversion zur Registrierung und 60% der Startenden erreichen die Zahlung. Als Bonus — was ein Business gewinnt, wenn die Designzusammenarbeit über den ursprünglichen Scope hinausgeht.
Ich leitete dieses Projekt als Art Director bei Anthracite — einem Studio, das digitale Produkte durch Design Thinking für Startups und IT-Firmen baut. So lernten wir FOOB kennen, ein Business für Fußballbegeisterte.
0:0 Aufwärmen
FOOB organisiert Amateurfußball — Ligen und Saisons, für Teams und Einzelspieler. Und es geht nicht nur ums Spiel: FOOB hat eine eigene Bar, in der sich die Spieler nach den Matches treffen.
Die Plattform — Website, Registrierungsformular und PWA — ist über zehn Jahre alt. Die Metriken sackten seit Jahren ab, und um jüngeren Konkurrenten nicht das Feld zu überlassen, entschied FOOB: Zeit für Veränderung. So kamen sie zu uns.
0:1 Problem und Aufgabe
Das Hauptproblem: Die Plattform erzeugte kaum Leads. Die Website hielt die Aufmerksamkeit der Besucher nicht, und ein schwaches Registrierungsformular machte sie nicht zu Kunden. Mein Scope: das Research durchführen, Kundensegmente mit ihren Schmerzen und Barrieren auf dem Weg zum Produkt finden — und die Plattform auf Basis der Erkenntnisse mit neuem UX/UI neu bauen.
0:2 Metriken und Analytics
FOOB hatte keine echten Analytics — der Vertrieb lebte in Excel und einem CRM. Also schlossen wir schnell Google Analytics an, um das Verhalten auf Website und Plattform zu sehen, und Hotjar, um Sessions im Detail zu sezieren. So konnten wir die Engpässe im Sales-Funnel prüfen, später das alte Design ehrlich mit dem neuen vergleichen und den Grundstein für A/B-Tests legen.
Kaum war das Tracking an, kam die erste Entdeckung: Eine absolute Conversion von 0,01% der Besucher erreichte die Seite mit dem Registrierungsformular und sprang bei der Zahlung ab. Der Trend bestätigte sich immer wieder. Es war offensichtlich: Die Website konnte keine Neukunden onboarden, und die schwache UX des Formulars schreckte die meisten ab — übrig blieben nur kalte Leads.
Also bauten wir die Sitemap neu, kartierten jede bestehende Seite — über 100, denn FOOB ist in vielen Städten aktiv — und behoben potenzielle Engpässe, tote Schleifen und veraltete Seiten. Zum Vergleich — eine alternative Navigation, in der alle Probleme umgangen sind und der Weg des Nutzers zum Ziel mehrere Klicks kürzer ist.
Parallel führten wir großangelegtes Nutzer-Research in den USA und den Niederlanden durch — FOOB ist in beiden Ländern aktiv.
0:3 Research-Herausforderungen
FOOB war lange am Markt, also mussten wir zuerst die bestehenden Segmente finden und validieren — und herausfinden, welches das attraktivste ist. Mit Research zu starten war essenziell: Wir wussten schlicht nicht, ob sich die Motivationen der Fußballer zwischen den Ländern unterscheiden.
Ziel
- Die bestehenden Kundensegmente finden und ihre High-Level-Jobs definieren
- Die Segmente analysieren und vorschlagen, wo FOOB am wirksamsten konkurrieren kann
- Insights und Hypothesen für UX/UI-Verbesserungen formulieren, um sie später zu testen
Framework
Wir wollten so viele Fragen wie möglich in einem einzigen Interview klären, ohne blind an einem kanonischen Framework zu hängen — damit sicher genug Daten für die Analyse zusammenkommen. Also bauten wir einen modularen Ansatz aus den wirksamsten Elementen:
- JTBD — für die Interviews: erst Segmente validieren, dann mit den Business-Prioritätssegmenten arbeiten und ihren vollen Job-Baum entfalten. Das half, die ersten Hypothesen zu bilden und zu testen — über Motivationen, Barrieren und Trigger, die die Nutzungsentscheidung prägen;
- CustDev — um zusätzliche Fakten über Fußballgewohnheiten und Vorlieben der Kunden zu sammeln;
- Monadisches Testen — um zwei Designkonzepte getrennt zu bewerten und unvoreingenommenes Feedback zu Eindrücken und Vorlieben zu bekommen;
- Und als Kirsche obendrauf — ein schneller Usability-Test des aktuellen Flows am Ende jedes Interviews: Wir baten die Teilnehmer, sich als Team oder solo zu registrieren. Das brachte ungewöhnliche Bugs auf verschiedenen Geräten ans Licht und zeigte genau, was Kunden im aktuellen Flow verwirrt.
Recruiting
- Der Kunde lieferte eine Liste zufriedener und unzufriedener Kunden — 50% der Befragten;
- Weitere rekrutierten wir per Facebook-Targeting — Fußballbegeisterte ganz ohne Lösung;
- Kunden der Konkurrenz kamen über Instagram;
- Und um das Budget zu strecken, nutzten wir persönliche Kanäle — mit Blick darauf, dass sich die Befragten nicht kennen.
0:4 Insights
Die meisten Befragten verliebten sich schon in früher Kindheit in den Fußball — und trugen die Leidenschaft durchs Leben. Diese tiefe Bindung zu verstehen ist der Schlüssel dafür, wie FOOB mit potenziellen Kunden sprechen sollte, damit sie wirklich zuhören.
Job Stories und Segmentierung
First Time Activation: der erste Kontakt mit FOOB — Motivationen, Barrieren und Wunschergebnisse der Neulinge.
Migranten in die Niederlande oder die USA
Neuankömmlinge suchen Wege, über Fußball Anschluss und Freunde zu finden — um Gemeinschaft zu spüren und im neuen Umfeld anzukommen.
„[Als] ich in ein für mich neues Land kam, [will ich] in einer Community Anschluss finden und Menschen mit gemeinsamen Interessen treffen, [damit] ich mich zugehörig fühle — weniger Einsamkeit und Verlorenheit“
Barrieren: die Sprachbarriere, Unterschiede im Spielniveau, Angst, gegen Profis zu spielen, und Unwissen, wo es ordentliche Plätze gibt.
Wettkampfspieler
Wer Wettkampffußball sucht, schätzt ein garantiertes, faires und sicheres Spiel, in dem Siegen etwas bedeutet — und das eigene Können bestätigt.
„[Als] wir gezielt Fußball mit Wettkampfmodus suchten, [will ich] gewinnen und einen guten Schiedsrichter haben, der das Spiel überwacht, [damit] ich den Nervenkitzel eines echten Matches spüre“
Barrieren: Wartelisten und die Schwierigkeit, Partner auf dem eigenen Niveau zu finden.
Bequeme Logistik
Bei der Platzwahl schauen die Leute zuerst auf Nähe und Erreichbarkeit — keine Zeit für den Anfahrtsweg verschwenden.
„[Als] ich einen Ort zum Fußballspielen suchte, [will ich], dass er in Fahrradnähe liegt, [damit] ich keine Extrazeit auf der Strecke verliere“
Barrieren: unklare Infos zu Spielorten, keine Plätze in der Stadt und zu lange Wege — ideal sind unter 15 Minuten mit dem Rad.
Continue Playing: die Erfahrung der Stammspieler — Motivationen, Barrieren und was sie im Spiel hält.
Wettkampfspieler / Teams
Wettkampfspieler brauchen Siege, die etwas bedeuten — Beweis ihres Könnens und der Stärke ihres Teams. Sie suchen organisiertes Wettkampfspiel.
Barrieren: zu geringe Belohnung fürs Gewinnen und Nichterscheinen von Teams zerstören das Erlebnis.
Spieler ohne Team
Solospieler brauchen organisierten Fußball, um ihre Skills ohne den Stress der Kaderplanung zu verbessern — der Fokus liegt auf strukturiertem Spiel.
Barrieren: Partner sind schwer zu finden, und die soziale Dynamik kann einschüchtern.
Second Level Job: die tieferen Motivationen erfahrener Nutzer — was sie wirklich bei FOOB hält.
Fitness-Fans
Für sie ist Fußball ein Weg, in Form zu bleiben und Bewegung und Gesellschaft zu genießen.
Barrieren: Verletzungsrisiko, abgesagte Matches und Platzbeschränkungen stehen dem regelmäßigen Spielen im Weg.
Nach dem Spiel
Spieler schätzen das Beisammensein nach dem Match — Verbindungen und Gemeinschaft zählen so viel wie das Ergebnis.
Barrieren: Die soziale Seite des Fußballs liegt nicht jedem, und ein abgesagtes Match ist auch ein abgesagter Abend.
FOOBs Segment definieren
Für die Prioritätensegmente wogen wir ab: Kaufkraft, Nutzungsfrequenz, Bedeutung des Jobs, Segmentgröße und Konkurrenz durch bestehende Lösungen. FOOBs ideales Segment — Spieler, die im Fußball soziale Bindung suchen, und jene, die der Wettkampfreiz antreibt.
Nicht FOOBs Segment: Spieler, die Fußball rein für Skills oder Fitness brauchen, ohne soziale Komponente. Sie sind mit Lösungen, die das Spiel über das Soziale stellen, bereits gut bedient. Und für die Fitness-first-Gruppe passen Padel oder Tennis womöglich besser — weniger Abhängigkeit vom Team.
Mit fertiger Analyse verstanden wir endlich, für wen wir gestalten. So schafft man Wert für das richtige Segment — das, dessen Job FOOB besser erledigen kann als die Konkurrenz.
0:5 Designprozess und Research in Aktion
Mit den vielversprechendsten Segmenten sammelten wir alle Hypothesen an einem Ort. Wir nannten es den „Hypothesen-Pool“ — irgendwann fühlte es sich an, als würden wir darin ertrinken. Um nicht unterzugehen, sortierten wir alles nach ICE: Impact, Confidence, Ease of implementation. Und begannen das Design mit dem Wirkungsvollsten und Machbarsten.
Jeder Block der Website schließt eine konkrete Hypothese — so stehen Designentscheidungen auf Nutzer-Insights und validierten Annahmen. Auf der Startseite führten wir Storytelling ein: Jeder Block spielt seine Rolle — beantwortet ein Bedürfnis oder räumt eine Barriere weg und führt zum klaren nächsten Schritt.
Der visuelle Stil: große, fette Typografie für Klarheit und Lesbarkeit — das Wichtige springt sofort ins Auge. Die Entscheidung entstand aus der Benchmark-Analyse: FOOB sollte mit niemandem zu verwechseln sein. Und ein striktes Raster hält das Layout strukturiert und ordentlich.
Die Bedeutung der Trophäe
Hypothese: Die Trophäe ist die greifbare Verkörperung gemeinsamer Anstrengung und saisonlanger Hingabe des Teams. Sie symbolisiert die gemeinsame Leistung und stärkt den Teamgeist.
Ein ausgewogenes Spiel
Hypothese: Menschen brauchen sichere, maßvolle Teilnahme in ihrer Freizeit — es ist ihre „Me-Time“. Sie schätzen Fairplay und Verlässlichkeit, und genau das macht die Auszeit angenehm.
Die Tradition des Teamfortschritts
Hypothese: Menschen haben Freude daran, den Fortschritt ihres Teams zu sehen — diesen Schwung zu unterstützen wird zur Tradition. Manche spielen in mehreren Teams gleichzeitig: so tief geht die Hingabe.
Nach dem Spiel
Hypothese: Menschen treiben Nostalgie und Kontinuität an — eine Beschäftigung aus der Jugend fortzuführen ist ein großes Vergnügen. Sie schätzen ein inklusives Umfeld Gleichgesinnter und die Möglichkeit, nach dem Spiel zusammenzusitzen — unabhängig von Bildung oder Nationalität.
0:6 UX-Flow
Den Registrierungs- und Zahlungs-Flow komprimierten wir auf ein zweistufiges Formular: Die Informationen entfalten sich Schritt für Schritt, ohne zu überfordern. Statt nur Radiobuttons und Dropdowns — visuell lebendige Elemente, die jeden Block des Formulars leichter verständlich machen.
Gesondert nahmen wir uns die Absprungstelle vor: den unerwarteten Preis im letzten Schritt. Wir überarbeiteten die Darstellung: Die vollen Teamkosten sind jetzt sofort klar und lassen sich unter den Spielern aufteilen — der Betrag bleibt für jeden stemmbar. Ein transparenter Preis ohne Überraschungen heißt weniger Schock und weniger Abbrüche am kritischen Registrierungsschritt.
0:7 Die zweite Designiteration und die Neuerfindung des UX-Flows
Als die erste Iteration in die Tests ging, wuchs beim Kunden die Sorge, sie könnte beim männlichen Publikum nicht genug ankommen. Obwohl FOOB allen offensteht — es gibt Frauenligen und gemischte Matches — beschlossen wir, eine alternative Designversion zu erkunden.
Der Hauptunterschied der Versionen lag im UI, also machten wir einen monadischen Test — eine Methode, bei der jeder Befragte nur ein Konzept bewertet, um Verzerrung zu vermeiden. Für aussagekräftiges Feedback kuratierten wir sorgfältig einen Pool von Adjektiven — „modern“, „warm“, „sportlich“ — und schauten, welche Version unseren Designzielen näherkam. Die Befragten für die beiden Konzepte rekrutierten wir auf unterschiedlichen Plattformen für eine breitere Stichprobe.
In der zweiten Phase wagten wir eine kühne Neuerfindung des UX-Flows. Es ging schnell — der Hypothesen-Pool kam zur Rettung: Wir zogen andere Hypothesen heraus und bauten aus unseren Erkenntnissen einen zweiten, alternativen Flow. Die Registrierung wurde zu etwas, das einem E-Commerce-Checkout ähnelt, und das Storytelling des ersten Designs verschmolz mit einem mutigeren visuellen Stil.
Die beiden Designversionen lösten unterschiedliche Reaktionen aus. Nach der Besprechung der Ergebnisse mit dem Kunden — dessen Kernpublikum, Frauenliga hin oder her, männlich war — wählten wir die zweite Version. Sie deckte sich mit der Vision des Kunden und garantierte, dass das Design bei FOOBs Hauptpublikum ankommt.
0:9 Endergebnisse und mehr
Das ganze Projekt, Research inklusive, dauerte zwei Monate. Die enge Zusammenarbeit mit dem Business gab uns ein tiefes Verständnis seiner Bedürfnisse — und ließ uns effizient entscheiden. Laut Testergebnissen wuchs die Conversion zur Registrierung nach Vereinfachung und UX-Verbesserung auf +22%, und 60% der Startenden erreichen jetzt den letzten Schritt — die Zahlung.
Im Laufe der Zusammenarbeit tauchten wir so tief in Produkt und Nutzer ein, dass wir mit Extraideen über den Scope hinausgingen: Community-Aufbau, Kollaborationen, Welcome-Events. Alles, um das Nutzererlebnis zu bereichern und FOOBs Bindung zum Publikum zu stärken.
Ein Vorschlag ging noch während des Projekts live: Der Kunde stimmte einem Netz von WhatsApp-Chats für jede Stadt zu. Jetzt finden Fußballbegeisterte leicht Ersatz für ein Match — ein besseres Erlebnis, höhere Zufriedenheit mit dem Service. Ursprünglich war das Feature für eine künftige App geplant, aber jetzt zählte etwas anderes: dass das Business läuft und die Nutzer zufrieden sind.
Gefällt der Ansatz?
Mehr Visuals aus diesem Projekt — Branding inklusive — gibt es auf Behance. Und bei einer ähnlichen Aufgabe: Schreiben Sie mir, wir finden das heraus.